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8. Empathie-Konferenz: Tag 2

Das Grundgesetz setzt die Würde des Menschen als unantastbar.

Wie unveräußerliche Menschenwürde jedoch Praxis wird, bleibt eine zwischenmenschliche, wenn nicht sogar gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Wie können wir gemeinsam einen inneren „Würdekompass“ entwickeln? Schränken Ängste Empathie und Würde ein? Wo bleibt die Würde in Arbeitsverhältnissen? Ist Gemeinschaft lebensnotwendig? Diesen und anderen Fragen gehen wir bei der 8. Empathie-Konferenz: Empathie und Würde gemeinsam nach.

 

10:15 Uhr Aleida Assmann

Chancen und Grenzen der Empathie

Empathie ist ein Begriff, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Umlauf kam und Anfang des 21. Jahrhunderts noch einmal neu erfunden wurde. Das Neue am Empathie-Diskurs der Gegenwart ist, dass er die Fächergrenzen überspringt und auch die Öffentlichkeit interessiert. Der Vortrag wird einige der neuen Perspektiven vorstellen, die der Begriff eröffnet hat, aber auch auf die Ambivalenz und die Grenzen der Empathie-Fähigkeit eingehen.

Aleida Assmann ist Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2018.

 

11:30 Uhr Borwin Bandelow

Wo sitzt die Würde im Gehirn?

Kein Neurowissenschaftler weiß, wo die Würde im Gehirn sitzt. Aber es gibt Vermutungen: In unserem Stirnhirn werden soziale Inhalte verarbeitet. Gefühle wie Respekt, Hochachtung, Scham, Anerkennung und Würde sind hier wahrscheinlich angesiedelt. Der Gegenspieler des sozialen Gehirns ist das Belohnungssystem. Immer wenn Menschen unter Belastung stehen, etwa durch Kriege, Hunger oder Katastrophen, setzt sich das Belohnungssystem durch –und die Würde bleibt auf der Strecke.

Borwin Bandelow ist Neurologe, Psychiater und ein bekannter Angst-Experte.

 

13:00 Uhr Mittagspause

 

14:15 Uhr Julia Ebner

Empathie mit Extremen?

Man kann es als extreme Art der Empathie bezeichnen: Julia Ebner hat sich unter Rechtsextreme und Islamisten begeben, bei Demonstrationen aber auch in Online-Chats. Durch gezielte Undercover-Recherchen und Gesprächen mit Radikalen beider Seiten konnte Sie aufzeigen, wie sich die Strategien von Islamismus und Rechtsradikalismus wechselseitig ergänzen und verstärken. Mit hetzerischer Rhetorik online wie offline schüren sie Hass und treiben einen Keil in die Gesellschaft: die eigene Gruppe wird zum Opfer, die andere zum Feind.

Die österreichische Extremismus- und Terrorismusforscherin Julia Ebner ist Research Fellow am Londoner Institute for Strategic Dialogue.

 

15:30 Uhr Wolfgang Grupp

Produktionsstandort Deutschland – Wirtschaft in Würde und Verantwortung?

Was bedeutet „Würde“ als Haltung und „innerer Kompass“ von verantwortungsvollen und leistungsbereiten Unternehmern? Wann geht die Würde von Unternehmern verloren? Wann von Angestellten? Was hat der Produktionsstandort Deutschland davon?

Der Unternehmer Wolfgang Grupp plädiert für Unternehmen mit Anstand.

 

16:45 Uhr Norbert Blüm

Empathie und Gemeinschaft – unsere Überlebensmittel!

Nur wir Menschen sind zu Mitleid fähig. Unsere Spiegelneuronen machen es möglich, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Diese Fähigkeit macht uns auf besondere Weise gemeinschaftsfähig. Offen und ungefestigt, wie wir zeitlebens bleiben, stattet uns die Natur allerdings auch mit einer ungeheuren Begabung zur Zerstörung aus. Davor bewahrt uns die Empathie. Sie ist unser Überlebensmittel.

Dr. Norbert Blüm ist Bundesminister a. D. und ein bekannter Sozialpolitiker.

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Veranstaltungsdetails:

Datum: 27.10.2018

Uhrzeit: 10:15

Thema:

Empathie und Würde

Aleida Assmann, Norbert Blüm, Julia Ebner, Borwin Bandelow & Wolfgang Grupp